17.06.2015 19:02

Aktuelle Stunde im Landtag

Kinderschutzbund fordert weitere Konsequenzen aus dem Fall Friesenhof

 KIEL Anlässlich der Aktuellen Stunde im Landtag Schleswig-Holstein zum Thema "Vorgänge in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung ´Friesenhof´“ drängt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein Irene Johns auf eine schnelle, aber differenzierte Reaktion auf die offengelegten Missstände. „Der Schutz der Kinder muss hierbei unbedingt Vorrang vor parteipolitischen Auseinandersetzungen haben“, betont Johns. „Es geht schließlich vor allem darum, jungen Menschen mit vielschichtigen Problemlagen gerecht zu werden, und ihnen optimale Förderung und Schutz bieten zu können“.  

 Die Darstellung der entwürdigenden und freiheitsberaubenden Erziehungsmethoden in der Friesenhof-Einrichtung erinnern an eine geschlossene Unterbringung – und damit an eine Betreuungsform, die vom Kinderschutzbund gerade zum wiederholten Male auf seiner Bundesmitgliederversammlung im Mai 2015 aus ethischen Gründen abgelehnt wurde. „Geschlossene Unterbringung im Rahmen von Kinder- und Jugendhilfe ist eine gewaltförmige Erziehung und verhindert die Entwicklung junger Menschen zu Mündigkeit und eigenverantwortlichem Handeln“, führt Johns aus. Außerdem müsse man bedenken, dass leicht ein Klima der Gewalt entstehe, wenn man eine so große Gruppe von Jugendlichen mit extremen Schwierigkeiten in einer Wohngruppe zusammenfasse. „Kein Kind und kein Jugendlicher sollte fürchten müssen, dass sie in einer Gesellschaft leben, in der Jungen und Mädchen mit auffälligem, grenzüberschreitendem Verhalten ausgesondert und weggesperrt werden. Es ist an uns, zu beweisen, dass die Leitlinien der UN-Kinderrechtskonvention nicht nur leere Worte für uns sind“, so Johns.

 Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein fordert deshalb:

 > Heimeinrichtungen, die die nötigen strukturellen und personellen Voraussetzungen haben, um den Schutz und die Förderung auch von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Belastungen sicher stellen zu können. Das beinhaltet sowohl angemessene Personalschlüssel, die auch besonderen Situationen in den Einrichtungen gerecht werden, als auch entsprechende fachliche Qualifikationen der Mitarbeiter.

 > Ein klares Anforderungs- und Qualifikationsprofil für die Heimaufsicht mit einem entsprechenden Personalschlüssel.

 > Verstärkten Ausbau von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren der betreuten Kinder und Jugendlichen entsprechend des Bundeskinderschutzgesetzes, sowie die Einrichtung einer externen Ombudsstelle.
Es muss in der Kinder- und Jugendhilfe immer die Möglichkeit der unabhängigen Beratung und Beschwerde geben - als Teil einer umfassenden Einrichtungskultur der Partizipation, Transparenz und Wertschätzung.



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