23.10.2017 14:20

Kinderarmut als Dauerzustand

Kinderschutzbund Schleswig-Holstein alarmiert über Kinderarmut als Dauerzustand

KIEL Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein sieht in der heute (23.10.17) veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung zur Kinderarmut, einen weiteren alarmierenden Rückschritt, auf den endlich überzeugend sozial- und familienpolitisch reagiert werden müsse. „Nicht nur, dass bundesweit jedes fünfte Kind in Armut aufwächst und in der Landeshauptstadt Kiel sogar jedes dritte – dass es laut dieser neusten Studie sogar oft auch noch ein Dauerzustand ist, ist nicht hinnehmbar“, betont der stellvertretende Vorsitzende Ingo Loeding. „Schließlich ist es schon lange bewiesen, dass die negativen Auswirkungen auf das Kind zunehmen, je länger es in Armut lebt“, warnt Loeding. Das Aufwachsen in Armut beeinträchtige häufig die körperliche und gesundheitliche Entwicklung, zudem haben arme Kinder schlechtere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und damit langfristig schlechtere Berufsaussichten. Hinzu komme oft noch die soziale Isolation, da sie von der soziokulturellen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen seien, erklärt Ingo Loeding. „Kinder leiden sehr, wenn sie an Freizeitaktivitäten mit Freunden nicht teilnehmen können, weil zu wenig Geld für den Schwimmbadbesuch oder das Eis essen da ist. Wenn sie Geburtstags-Einladungen ausschlagen müssen, weil sie sich kein Geschenk leisten können. So etwas wirkt sich langfristig auch auf die psychische Verfassung und die schulischen Leistungen aus. Es ist ein Teufelskreis, aus dem Kinder nicht alleine ausbrechen können – das ist die Aufgabe der Politik der Erwachsenen und bisher wurde sie nicht zufriedenstellend gelöst“, kritisiert der stellvertretende DKSB-SH Vorsitzende.

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein setzt sich schon lange für eine nachhaltige Gesamtstrategie von Bund, Ländern und Gemeinden zur Bekämpfung von Kinderarmut ein. Dazu gehört die anhaltende Forderung, eine transparent berechnete sowie bedarfsgerechtere Geld-leistung in Form einer Kindergrundsicherung einzuführen. Diese grundlegende Reform des derzeitigen Förderungssystems würde laut DKSB-SH unter anderem den mit 42 Prozent überproportional häufig von Armut betroffenen Alleinerziehen-den zugutekommen. Bei ihnen lebt die Hälfte aller Kinder in Armut, weshalb sich der Kinderschutzbund auch verstärkt für sie einsetzt.

„Darüber hinaus muss die Betreuungssituation weiter ausgebaut und verbessert werden, und zwar in Form von leicht zugänglicher, qualifizierter und langfristig kostenfreier Förderung“, so Loeding weiter. „So wird die dringend notwendige Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben erleichtert und gleichzeitig können auch kindliche Entwicklungsunterschiede frühzeitig verringert werden“, erläutert der Kinderschützer.

Um schulische Bildungserfolge für alle Kinder gleichermaßen zu ermöglichen und damit Bildungsgerechtigkeit zu erlangen, macht sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schon seit Jahren für Chancen-gleichheit durch tatsächliche Lernmittelfreiheit stark, also die Streichung des § 13, Absatz 2, Satz 2 und Absatz 3, Ziffer 1 im schleswig-holsteinischen Schulgesetz.

„Wenn Kinder aus Armutsfamilien im Unterrichtsalltag oft nicht mit den geforderten Materialien wie Schere, Buntstiften, Arbeitsheften und Sportzeug ausgestattet sind, weil das Familieneinkommen dafür einfach nicht ausreicht und das Bildungs- und Teilhabe Paket die Schulkosten oft nur zu einem Zehntel deckt, gefährdet das ernsthaft den Bildungserfolg“, mahnt der stellvertretende Vorsitzende.

„Bildung ist eine elementare Etappe, um den Teufelskreis der Armut langfristig zu durchbrechen. Früherziehung als Bildungsgrundlage darf daher genau wie Schul- und Berufsbildung keine Frage des Geldes sein, deshalb fordert der Kinderschutzbund konsequent die Kostenfreiheit aller Bildungseinrichtungen von der Krippe bis zur Hochschule“, betont Loeding. „Allein in Schleswig-Holstein leben über 70 000 Kinder in Bedarfsgemeinschaften, wobei die Kinderarmutsquote insgesamt deutlich höher liegt, da diese Statistik nur Kinder mit Hartz IV Bezug beinhaltet, und Kinder mit Bezug anderer Sozialleistungen wie z.B. Wohngeld herausfallen. Je länger das Aufwachsen in Armut andauert, desto schwerwiegender sind die negativen Folgen. Die Zeit wird knapp – die Politik muss endlich weitreichender handeln!“, appelliert Ingo Loeding.



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