17.02.2016 09:49

Fachtag: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Sie sind besonders schutzbedürftig

 

KIEL Mehr als 2.500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge halten sich derzeit in Schleswig-Holstein auf, die Kinder und Jugendlichen stammen zumeist aus Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea oder Somalia. Sie sind überwiegend im Alter von 15 bis 17 Jahren, zunehmend erreichen aber auch jüngere Kinder ohne ihre Eltern das (vorläufige) Ende ihrer Flucht vor Krieg und Terror in Schleswig-Holstein. Sie werden nicht in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht, sondern sind in stationären oder teilstationären Wohneinrichtungen betreut. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein (DKSB LV SH) und der Kinder- und Jugendhilfe-Verbund der KJSH - Stiftung veranstalten heute (Mittwoch, 17. Februar 2016) einen Fachtag für Fachkräfte in der erzieherischen Jugendhilfe. Die 200 Teilnehmer erhalten zu den aktuell wichtigsten Themen im Arbeitsalltag praxisnahe Informationen und Gesprächspartner.

„Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind besonders schutzbedürftig. Oft hemmt die Sorge um die in der Heimat verbliebene Familie die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sowie ihre Integration“, erklärt Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, zur Eröffnung des Fachtages in der Akademie des Sparkassen- und Giroverbandes in Kiel. Die Grundversorgung für die Kinder und Jugendlichen sei sichergestellt, so Irene Johns weiter, doch im Alltag kristallisiere sich heraus, in welchen Bereichen die Praxis weitere Handlungsoptionen benötige. Und damit könnten die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge im Sinne des Kindeswohls unterstützt werden.

„Warm und trocken, das funktioniert mittlerweile in Schleswig-Holstein“, so Nahmen Roeloffs vom Kinder- und Jugendhilfe-Verbund. „Die eigentlichen Herausforderungen liegen aber noch vor uns. Jetzt geht es um solide Sozialarbeit, d. h. um individuelle und integrative Lösungen für jeden einzelnen jungen Flüchtling. Da gibt es noch immensen Nachholbedarf, Qualifizierung und den dazugehörigen fachlichen Austausch, wie etwa heute auf der Fachtagung.“

 

 

Michael Mascenaere, Professor am Institut für Kinder- und Jugendhilfe (Mainz), berichtet zur pädagogischen Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern (umA). Den – durchaus dynamischen – rechtlichen Rahmen zu Unterbringung und Betreuung erläutert Peter Schoch, Sozialministerium Schleswig-Holstein. Marion Muerköster und Alfred Grüter (Jugendamt) reflektieren die speziellen Probleme in der Stadt und in der Fläche und mit welchen Lösungsansätzen sie dazu arbeiten.

In unterschiedlichen Workshops können sich die Fachleute mit Experten aus der Praxis zum Betreuungsalltag in stationären und teilstationären Einrichtungen, zu der Frage, ob Pflegefamilien eine Alternative sein können, zum Spannungsfeld Trauma – Stress - Kultur, zu Fragen der Vormundschaft, Beschulung in „Deutsch-als-Zweitsprache“-Klassen und durch Ehrenamtliche (Thannhauser-Modell) und schließlich zu Erfahrungen aus anderen Bundesländern austauschen.



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