01.09.2014 10:49

Erfolgreiches Konzept

Mehr Unterstützung für Kinder mit zu geringen Sprachkenntnissen – was tun?

Kiel/Husum Jedes elfte Kind in Schleswig-Holstein, das2011 für den Schuleintritt vom kinder- und jugendärztlichen Dienst der Gesundheitsämter untersucht wurde, beherrschte die deutsche Sprache nicht. Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein, und Gregor Crone, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Nordfriesland, fordern mehr Unterstützung für die betroffenen Kinder. „Sprache ist der Schlüssel, um sich dazugehörig zu fühlen und sich seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln zu können“, unterstreicht Irene Johns die Bedeutung ausreichender Sprachkenntnisse für Kinder beim Schuleintritt.

Wie die nötige Unterstützung gelingen kann, zeigt die Bürgerschule in Husum. Die Grundschule und die betreute Grundschule „Max und Milla“ in Trägerschaft des Kinderschutzbundes arbeiten eng verzahnt zusammen, um die Kinder sprachlich zu fördern. Neben den Angeboten der Grundschule, die als Förderzentrum „Deutsch als Zweitsprache“ möglich sind, geht es nach Schulschluss bei „Max und Milla“ weiter. Die Kinder werden bis 18 Uhr betreut und sprechen so den gesamten Tag deutsch. Dieses bringt den Erfolg, dass sie die Sprache schnell lernen. Die Kinder erhalten Hausaufgabenhilfe, eine warme Mahlzeit, bei der Frühbetreuung auch ein Frühstück und weitere Bildungsangebote am Nachmittag. Und es ist immer jemand für sie da. Darüber hinaus hält der Kinderschutzbund für alle 16 an der Schule vertretenen Nationalitäten Dolmetscher vor, sodass „Max und Milla“ auch im außerschulischen Bereich Ansprechpartner für die Familien der Kinder ist. „Die Eltern interessieren sich für den schulischen Erfolg ihrer Kinder, weil wir uns um sie und ihre Probleme kümmern“, fasst Gregor Crone das erfolgreiche Konzept zusammen. Die Eltern stehen in regem Austausch mit der Schule und der betreuten Grundschule.

Detlef Kreutzfeldt, Schulleiter der Bürgerschule: „Die Basis für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern aus anderen Kulturen bzw. in Deutsch als Zweitsprache (DaZ) bildet eine zeitgemäße Interkulturelle Bildung und Erziehung. Hierbei ergänzt und erweitert die Öffnung der Schule und des Schullebens das unterrichtliche Lernen, denn von der Einbeziehung außerschulischer Lernorte und Institutionen hängt es letztendlich ab, ob sich die im Unterricht erworbenen Einstellungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im realen Anwendungsfeld bewähren. Die Bürgerschule hat mit dem Kinderschutzbund Nordfriesland einen kompetenten Kooperationspartner, der dieses Selbstverständnis – nicht nur bei der Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund – in hervorragender Weise unterstützt.“

DieStadt Husum nimmt viele der Flüchtlinge auf, die zurzeit in Schleswig-Holstein ankommen. Die Bürgerschule und die betreute Grundschule sind inhaltlich darauf vorbereitet, jedoch sind die Kapazitätsgrenzen schon überschritten. „Die Kinder, die in der Schule aufgenommen werden, müssen schnellstmöglich integriert werden, damit sie gemäß der UN-Kinderrechte-Konvention an Schulleben und Bildung teilhaben können“, erklärt Irene Johns.



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