23.02.2016 14:45

Armutsbericht

Kinderschutzbund SH kritisiert anhaltend hohe Kinderarmut

KIEL Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands unter Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen[1], inklusive des Deutschen Kinderschutzbundes, belegt, dass das Jahr 2014 trotz guter Wirtschaftslage zu keinem nennenswerten Rückgang der Armutsquote in Deutschland geführt hat. Gegenüber dem Vorjahreswert ist die Armutsquote lediglich um 0,1 Prozent-Punkte gesunken und liegt damit auf dem stetig hohen Niveau von 15,4 Prozent.
„Für uns ist vor allem erschreckend, dass die Kinderarmutsquote mit 19 Prozent noch immer deutlich über dem Durchschnitt liegt und scheinbar stagniert, statt zurückzugehen“, kritisiert die Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein Irene Johns. „Vergleicht man die Ergebnisse der letzten neun Jahr ist der wohl alarmierendste Befund, dass sich an der Armutssituation so gut wie nichts geändert hat. Zudem liegt die Hartz IV Quote der Kinder auch noch deutlich höher, als die der Erwachsenen“, so Johns weiter.

 

Insgesamt seien laut Studie Alleinerziehende mit 42 Prozent und kinderreiche Familien mit 25 Prozent überproportional häufig von Armut betroffen, was deutlich mache, dass es großen familien- und sozialpolitischen Handlungsbedarf gäbe, mahnt die Landesvorsitzende.

 

„Was wir brauchen, ist eine nachhaltige Gesamtstrategie von Bund, Ländern und Gemeinden zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland. Wir müssen endlich gemeinsam und  flächendeckend aktiv werden, wenn wir nicht wollen, dass jedes fünfte Kind bei uns in Armut aufwächst und mit den damit verbundenen Risiken, “ warnt Johns.

 

Der DKSB fordere deshalb eine grundlegende Reform des derzeitigen Systems der Kinder- und Familienförderung – hin zu einer gerechten und existenzsichernden Kindergrundsicherung.

„Außerdem muss die Betreuungssituation weiter ausgebaut und verbessert werden, und zwar in Form von leicht zugänglicher, qualifizierter und kostenfreier Förderung. Dies dient zum einen der Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben und trägt zum anderen dazu bei, kindliche Entwicklungsunterschiede frühzeitig zu verringern“, führt Irene Johns aus.

Um darüber hinaus auch schulische Bildungserfolge für alle Kinder gleichermaßen zu ermöglichen, setze sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schon seit Jahren für Chancengleichheit durch tatsächliche Lernmittelfreiheit ein, also der Streichung des § 13, Absatz 2, Satz 2 und Absatz 3, Ziffer 1 im schleswig-holsteinischen Schulgesetz. Im Unterrichtsalltag seien Kinder aus Armutsfamilien oft nicht mit den geforderten Materialien wie Schere, Buntstiften, Arbeitsheften und Sportzeug ausgestattet, weil das Familieneinkommen dafür einfach nicht ausreiche und das Bildungs- und Teilhabe Paket die Schulkosten bei Weitem nicht decke. Das gefährde den Bildungserfolg und sei nicht hinnehmbar, betont die Landesvorsitzende.
„Allein in Schleswig-Holstein leben über 70 000 Kinder in Bedarfsgemeinschaften, wobei die Kinderarmutsquote insgesamt deutlich höher liegt, da diese Statistik nur Kinder mit Hartz IV Bezug beinhaltet, und Kinder mit Bezug anderer Sozialleistungen wie z.B. Wohngeld herausfallen. Hier sind wir als Gesellschaft gefordert, dafür zu sorgen, dass diese Kinder dem Teufelskreis der Armut entkommen können und bessere Zukunftschancen haben“, drängt Irene Johns.



[1] Herausgeber des Armutsberichts sind Der Paritätische Gesamtverband, das Deutsche Kinderhilfswerk, der Volkssolidarität Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, der Deutsche Kinderschutzbund, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter, der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. PRO ASYL hat sich zudem mit seiner flüchtlings-politischen Expertise in die Erstellung des Berichts eingebracht.



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